
2025, Acryl auf Baumwolle, 195 x 291 cm


2026, Acryl auf Baumwolle, 120 x 100 cm
In den letzten zwanzig Jahren hat Nils Nova unter anderem eine Serie von Bildern mit dem Titel «Empty Center» (Leeres Zentrum) geschaffen. Es handelt sich dabei um Acryl- und Ölmalereien auf Leinwand, Baumwolle und Büttenkarton sowie um Lackfarbenmalereien auf Metallplatten. Die Bilder sind mit mehreren Farbschichten gemalt, wobei in der Mitte kaum Farbe aufgetragen wurde. Zu den Rändern hin nimmt die Farbdichte jedoch zu. So entsteht ein Verlauf, der einen Farb-Lichtraum evoziert. Dieses Vorgehen könnte man als Essenz der Malerei bezeichnen: von keiner Farbe zum Verlauf, von vielen Farbschichten von der Oberfläche zur Tiefe, von Dunkelheit zu Licht – und somit als Kreation von Illusion.
Rosa Black, 2026
«Empty Centers» nennt Nils Nova auch eine Reihe von Bildern auf Leinwand oder Metall, deren Zentrum von Malerei entleert scheint, während die Dichte der Pigmentwolken gegen die Ränder hin kontinuierlich zunimmt. Die Abwesenheit von Motiven, aber auch das Entschwinden von Farbe im Zentrum eines Formats, schafft unweigerlich einen optischen Sog. Diese Arbeiten sind kaum abzubilden, denn die feinen, mit breiten Pinseln oder Spray lasierend aufgetragenen Farbschleier bilden schwer fokussierbare Tiefenräume, in denen sich die Blicke verlieren, in denen sie versinken, um wieder ganz an die Oberfläche verwiesen zu werden.
Ausschnitt aus Nils Nova – Leerung des Zentrums durch den Aufbau der Ränder (Kunstbülletin 2014)
von Hans Rudolf Reust
Die Empty Centers sind ein Bildtypus, bei dem sich die Malerei um das Zentrum dreht, sich aus diesem heraus bewegt oder von den Rändern her gegen die Mitte tendiert. Die Empty Centers evozieren einen Raum innerhalb der Malerei, der sich als eine Art von Tiefe, als pulsierende Bewegung aus dem Zentrum und dann wieder als Spiegelung artikuliert immer aber ein Raum der Leere oder der Virtualität bleibt. Vielleicht ist diese Leere als eine Befreiung vom beschwerlichen Bildballast zu verstehen, vielleicht steht sie auch für die Idee jener Ferne, als die sich die Malerei für den Maler/Cinéasten in Peter Handkes »Niemandsbucht» darstellt. Als Eintauchen, so der Maler/Cinéast, in eine Ferne, die sich als eben jene Schwärze offenbart, die er als Kind erfahren hatte, wenn er die Augen schloss. Die Schwärze als der unermessliche innere Raum, der sich im Halbschlaf des Kindes alsbald mit Lichtern und Bildern füllt, wie die Romanfigur weiter ausführt. In diesem Assoziationsfeld ist sicher auch das Moment der Selbstvergessenheit angesprochen, dieses merkwürdige Abtauchen in einen Zustand gleichzeitiger Verlorenheit und Aufgehobenheit. Ohne die hier angesprochenen inneren Räume und Zustände tatsächlich ausmessen und darstellen zu wollen, touchiert Novas Werk doch immer wieder Bereiche der Transzendenz, um nicht zu sagen: der Metaphysik und das auch in seinen gegenständlichen Malereien. Ich meine, dieses Schaffen ist nicht so einfach zu verorten, denn gegen den Anschein seiner manifesten Präsenz tendiert es wie unmerklich auch immer nicht selten zu leicht weltentrückten, träumerischen Wahrnehmungssituationen.
Ausschnitt aus Nils Nova’s Buch «Works so Far» (Snoeck 2012) – Spiegelungen
von Max Wechsler
Das malerische, fotografische und installative Werk von »Nils Nova« fordert unsere Wahrnehmung heraus und bringt uns an einen unerwarteten Ort. Die Malerei des Künstlers mit schweizerischen und mittelamerikanischen Wurzeln bewegt sich zwischen Fülle und Leere, zwischen Fläche und Raum, Imagination und Wirklichkeit. In der gleichmässig behandelten Bildfläche, dem All over, kann ein Vergleich zur amerikanischen Malerei der 1950er und 60er Jahre gemacht werden, während Nils Nova aber bewusst den aus dieser Malerei verbannten Illusionsraum wieder aufgreift. Selbst Gemälde, die Gegenstände abbilden, setzen durch die Verwendung überbelichteter Fotografien als Vorlagen sowie dem eng gewählten Ausschnitt eine Kippbewegung zwischen Figur und Abstraktion in Gang. Wir vermeinen etwas zu erkennen und werden wie in einer zeitgenössischen Art des Trompe l’oeil mit etwas Unerwartetem konfrontiert. Das immaterielle Pulsieren der Pigmente der »Interferenbilder und Emty Centers« aktiviert die Wahrnehmung und bringt diese in einen fortwährenden Zustand des Flotierens.
Annamira Jochim (Benzeholz Raum für zeitgenössische Kunst Meggen 2015)
